Ismailia Museum

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Sphinx aus Tell el-Maskhuta

Das Museum in Ismailia

 

Das Museum wurde 1932 errichtet, um die zahlreichen, während des Baus des Suezkanals (1859 bis 1869) zutage gekommenen antiken Fundstücke aufzunehmen. Beim Bau des Süßwasserkanals, der vom Nil zum Suezkanal führt wurde der Siedlungshügel Tell el-Maskhuta (Pithom) angeschnitten, wodurch Statuen aus dem Tempel des Atum aufgefunden wurden. Im Laufe der Zeit kamen jedoch weitere Objekte unterschiedlichster Herkunft hinzu, so dass das Museum heute einen Überblick über die Kultur Ägyptens von der Frühzeit bis in die islamische Epoche bietet.

 

Exponate aus Tell el-Maskhuta

Der Ruinenhügel von Tell el-Maskhuta birgt die Reste der spätzeitlichen Stadt Tjeku oder Pithom, die nach der Bibel (Buch Exodus 1, 11) – ebenso wie die Stadt Pi-Ramesse - von Hebräern im Frondienst des Pharao erbaut wurde. Tell el-Maskhuta und seine benachbarte Vorgängersiedlung Tell er-Retabeh, das ältere Pithom, liegen im Wadi Tumilat, ca. 15 km von Ismailia entfernt. Pharao Necho II. (610 – 595 v. Chr.) ließ zur Zeit der 26. Dynastie hier Arbeiten an einem Verbindungskanal zwischen dem Nil und dem Roten Meer, den so genannten "Ost-Kanal" durchführen. Das Werk wurde unter dem Perser Darius I. vollendet, wovon die berühmten sogenannte Kanalstele kündet (seit 2014 vor dem Eingang zum Suez-Museum ausgestellt).

Die frühen Ausgrabungen (1875-1876 unter dem Franzosen F. Paponot, seit 1883 unter der Leitung des Schweizers Edouard Naville für die Egypt Exploration Society, und 1906-1908 unter dem Franzosen Jean Clédat, erneut für die Suezkanal-Gesellschaft) erbrachten eine Fülle von Denkmälern, zumeist aus dem Tempel des Atum und den umliegenden Nekropolen.

Erste Highlights des Museums sind im jüngst rekonstruierten "Garten der Stelen" vor dem Gebäude aufgestellt, darunter der Granitsphinx von Tell el-Maskhouta aus der 12. Dynastie. Er stellte ursprünglich einen Löwen mit menschlichem Gesicht dar (sog. "Mähnensphinx"), das die realistischen Züge Amenemhets III. trug. In der 19. Dynastie wurde die Löwenstatue überarbeitet und ein ganzer menschlicher Kopf mit dem idealisierenden Gesicht ausgearbeitet und mit dem Namen Ramses' II. beschriftet. Original aus der Zeit Ramses’ II. stammen zwei große Stelen aus Rosengranit, die den Pharao opfernd vor dem falkenköpfigen Sonnengott zeigen und zwei überlebensgroße "Triaden" (Statuengruppen), die Ramses II. zwischen Göttern sitzend darstellen.

Im Innern des Museums beeindruckt zunächst der Statuenkopf des Bastet-Priesters Wakaramen (Okarmen) aus rotbraunem Quarzit (22. Dynastie). Auf seinem Scheitel ist ein realistisch ausgearbeiteter Skarabäus ausgearbeitet – das Symbol der nach dem Mythos morgendlich der Erde entsteigenden Sonne. Ebenfalls aus Tell el-Maskhuta stammen die bunt bemalte Standfigur des Wahka, deren gelbes Gewand ganz mit Inschriften bedeckt ist, und der berühmte, großformatige Siegelzylinder aus Ägyptisch Blau des Beamten Uni. Das ca. 15 cm hohe Rollsiegel trägt auch die Kartuschennamen der drei Könige des Alten Reiches, denen Uni diente: Pepi I., Merenre I. und Pepi II. aus der 6. Dynastie. Zu den jüngsten Funden aus Tell el-Maskhuta gehört der aus Marmor geschlagene Sarkophag des Djed-Hor (Teos), der erst 1986 ausgegraben wurde.

 

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Exponate aus anderen Fundstätten

In den historischen Wand- und Tischvitrinen des Ausstellungsraumes befinden sich Skulpturen, Reliefs, Gefäße, und zahlreiche Amulette aus verschiedenen Perioden und Regionen Ägyptens. Neben der fein gearbeiteten thebanischen Totenstele der Tschetsch und ihres Mannes (18. Dynastie) fällt eine ungewöhnliche Götterstele aus der Cachette von Karnak mit einer halbplastischen, archaisierenden Darstellung der Osiris-Familie auf (26.-30. Dynastie). Osiris erscheint hier nicht als von Binden eng eingehüllte Mumie, sondern mit Lendenschurz und Phallustasche bekleidet. Über seiner langen Götterperücke trägt er die mit Straußenfedern geschmückte Atef-Krone. Ebenfalls aus der Cachette stammt die Würfelstatue des Amun-Priesters Anch-ef-en-Chons aus der frühen Ptolemäerzeit (um 300 v. Chr.). Aus Abydos stammt dagegen die bemalte hölzerne Totenstele der Schatia (25. Dynastie). Bronzewerke der Spätzeit, Glasgefäße und andere Objekte der Kleinkunst aus dem 1. Jahrtausend v. Chr., der römischen, byzantinischen und frühislamischen Periode stellen weitere Schwerpunkte dar.

Die gezeigten Marmorstatuen und Büsten römischer Kaiser und Provinzbeamter wurden in Alexandria bzw. in Scheich Suede (Nord-Sinai, bei El-Arish) entdeckt. Das bedeutendste Objekt der Römerzeit ist das große polychrome Fußbodenmosaik aus einer Villa des 4. Jahrhunderts n. Chr. bei Scheich Suede, das den großen Ausstellungsraum dominiert. Seine Darstellungen zeigen neben dem Sagenkreis um Ariadne und Theseus, Phaedra und Hippolytos auch den „Triumphzug des Dionysos“. In der Spätantike war der Gott des Weines auch ein populärer Erlösergott, der seinen Anhängern nicht nur Lebensfreude im Diesseits, sondern auch ewige Fülle im Jenseits versprach.

Großen Anteil an der Bedeutung des Museums haben auch wohlerhaltene Zeugnisse des Totenkultes. Sie führten jüngst zur Einrichtung einer speziell den antiken Bestattungsriten und Jenseitsvorstellungen gewidmeten Raumes. Neben Uschebtis, Scheintüren, Opfertafeln und Amuletten stellen idealisierte Stuckköpfe von Mumien aus Tuna el-Gebel und zwei bunt bemalte, römerzeitliche Mumienmasken einen Blickfang dar. Sie stammen aus der Nekropole von Meir. Stuckköpfe und Masken vereinen traditionelle ägyptische Totenikonographie mit Stilelementen aus der römischen Kaiserzeit.